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PD Dr. Michael Marx
Privatdozent für Public Health, Facharzt für Innere Medizin und Tropenmedizin, Hochschullehrer an der Universität Heidelberg und geschäftsführender Gesellschafter der evaplan GmbH am Universitätsklinikum Heidelberg.
Seit 1984 in der Entwicklungszusammenarbeit tätig: 4 Jahre Leiter eines Distriktkrankenhauses in Burundi (Ostafrika), 5 Jahre Public Health-Berater und GTZ-Teamleiter in einem regionalen Gesundheitsprogramm in Guinea. Seit 1996 ist Dr. Marx an der Universität Heidelberg tätig in Lehre, operationaler Forschung und Beratung. Beratertätigkeit in über 20 Ländern Afrikas und Asiens.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Gesundheitssystemforschung, Qualitätsmanagement, Capacity Development inkl. Management humaner Ressourcen, Migranten- und Flüchtlingsgesundheit, Planung und Management von Gesundheitsdiensten, HIV/AIDS.
Workshop auf der 4. Dialogtagung des forum humanum am 26./27. Februar 2010:
Entwicklungszusammenarbeit – ohne Wirkung?
Wie EZ effizient, wirkungsvoll und nachhaltig gestaltet werden kann, diskutiert PD Dr. Michael Marx am Beispiel von umfangreichen Qualifizierungsmaßnahmen für Führungskräfte multisektoraler AIDS-Kommitees in Tansania.
Nach fast 50 Jahren Entwicklungszusammenarbeit stellt sich mehr denn je die Frage nach Wirkung, Effizienz und Nachhaltigkeit. Einerseits wird die Architektur der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) komplexer, Eigeninteressen und Integrationsprobleme in nationale Politiken werden immer augenscheinlicher. Andererseits bietet die Globalisierung auch Chancen und Potenziale mit Blick auf eine bessere Kommunikation, größere Transparenz und Mitteakquisition.
Die Systementwicklung und -förderung im Gesundheitsbereich (im Sinne der primären Gesundheitsfürsorge) war im entwicklungspolitischen Diskurs immer auch umstritten, da Erfolge nur langfristig zu erreichen und sehr komplexe Unterstützungsmaßnahmen erforderlich sind. Hierbei ist eine starke Fixierung auf messbare Outputs festzustellen. Die zur Zielerreichung wichtigen Prozesse werden dagegen vernachlässigt.
Nach ausbleibenden messbaren Wirkungen wurden vor allem Systemansätze schnell aufgegeben, und eine Reihe von neuen Strategien, Initiativen entwickelt, ja Rettungsversuche unternommen, vor allem die als prioritär eingestuften Probleme schnell zu lösen. Die fast hektische Suche nach neuen Konzepten wurde zudem angestoßen und genährt durch einen zunehmenden Druck der Geberländer und ihrer Entwicklungsorganisationen, die Mittelvergabe zu rechtfertigen und Wirkungen der Entwicklungszusammenarbeit nachzuweisen. Eine kritische Rückbesinnung und Analyse so genannter gescheiterter Ansätze fand eigentlich nie statt. Vor allem wurden kontextbezogene Faktoren, Hypothesen, Annahmen und Voraussetzungen, unter denen Strategien und Konzepte umgesetzt werden sollten, nicht ausreichend geprüft. Die Einschätzung der Situation im Partnerland war häufig unkritisch und zu sehr auf den Gesundheitssektor konzentriert. Man stützte sich auf Annahmen bezüglich der Verfügbarkeit und des Managements humaner Ressourcen, die sich bei näherer Betrachtung bislang als völlig unrealistisch erwiesen. Dies ist möglicherweise einer der Kardinalfehler der Entwicklungszusammenarbeit. Einige zentrale Fragen stellen sich für die künftige Zusammenarbeit: wie können realistische Ziele und die Koordinaten zur Zielerreichung definiert werden? Wie sollen Wirkungen definiert und gemessen werden? Wie kann Nachhaltigkeit in der EZ definiert werden?
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