12.05.2009, 20:49
Einladung zum
„Gesellschaftlichen Werte-Management“
Prof. Dr. Bernd Fittkau
„Es gibt kein richtiges
Leben im falschen“
(Adorno)
„Krise als Chance“
Die aktuelle Finanzkrise erscheint als Spitze eines Eisberges, in dem sich unter der Oberfläche eine Reihe von weiteren gesellschaftlicher Krisen vereinigen: eine vielfaktorielle „ökologische Krise“, eine „Nord-Süd-/Arme-Reiche“-Krise, eine globale „Wachstumsabhängigkeits-Krise“ und eine „Werte-Krise“ – und alle diese Krisen hängen miteinander zusammen und verstärken sich gegenseitig. Ein brisantes Szenario, das die Politiker zunehmend unter Handlungsdruck bringt.
„Krisen sind Chancen zum Neubeginn“ – diese Einsicht, die im doppeldeutigen chinesischen Schriftzeichen für „Krise“ steckt, ist sicher mehr als ein optimistisch stimmendes Schlagwort, angesichts eines bedrohlichen Situation und Entwicklung. Es gibt auch im westlich geprägten Denken ähnliche erst zu nehmende Erkenntnisse dialektischer Natur, wie „Not macht erfinderisch“, „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Hölderlin), das Wort „not-wendig“ meint, dass die aktuelle „Not“ zum Besseren „ge-wendet“ werden sollte – und schließlich sind letztlich alle sozialen Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und Systeme als komplementäre Gegenbewegungen und Balancierungsversuche zu gefährlichen sozialen Notsituationen entstanden.
Und diese sozialen Gegenpole bedingen sich gegenseitig und halten sich wechselseitig am Leben.: Die „Not“ sorgt für „soziale Hilfe“ und die „sozialen Hilfsorganisationen“ leben von der „Not“, z.B. ohne „innere Feinde“ gibt es keine Notwendigkeit von „Polizei etc.“ und ohne „äußere Feinde“ keine Notwendigkeit von „Militär etc.“ und ohne Kriege keine Notwendigkeit einer Waffenindustrie etc. etc. Aus dieser Art des dialektischen Denkens ergeben sich sofort brisante Hypothesen.
Die Folgen solcher gesellschaftlichen Dialektik spüren die Gewerkschaften genauso wie die Kirchen: In dem Maße, wie die soziale Notwendigkeit abnimmt, sich als solidarische Interessenvertretung oder Glaubensgemeinschaft gegen die „ausbeuterischen“ und „unchristlichen“ Lebens- und Arbeitsverhältnisse des Frühkapitalismus zusammen zu schließen, nehmen die Mitgliederzahlen in beiden großen sozialen Organisationen ab. Wie in vielen zurückliegenden Wahlkämpfen wird im kommenden vermutlich wieder stark auf den hier angesprochenen Werteraum („wirtschaftlich effizienter Eigennutz“ vs. „sozialer Ausgleich und Gemeinschaftsgeist“) fokussiert. Dabei könnte die eigentliche zukunftbestimmende Werteproblematik aus dem Blick geraten: „Wachstum“ vs. „ökologisch notwendiger Verzicht“ – oder attraktiver formuliert „Quantitatives Wachstum“ vs. „Qualitatives Wachstum“.
Fassen wir zusammen: „Krisen“ scheinen nützliche soziale „Wachmacher“ zu sein mit Inspirationspotential für notwendige Veränderungen. Diese soziale Komplementär-Dynamik hat das „forum humanum“ beflügelt und hat auch diesen von mir vorgeschlagenen Themenschwerpunkt ins Leben gerufen: „Gesellschaftliches Werte-Management“.
Einladung zum Mit-Denken und -Machen
Meinen hier eingestellter Artikel habe ich kürzlich bei http://www.active-books.de / junfermann veröffentlicht, mit dem Fokus auf „Dilemmata-Management“. Weil jede (Werte-)Ent-„scheidung“ – aus meiner Sicht – partiell fehlerbehaftet ist, denn ich trenne mich dabei auch von etwas Wertvollem. Nachzuvollziehen ist diese Sichtweise bei Entscheidungen, wo „der Bock zum Gärtner gemacht“ wird oder „der Teufel mit dem Beelzebub“ ausgetrieben werden soll oder wo es zu „faulen Kompromissen“ kommt oder wo die „Sozialsysteme als soziale Hängematte missbraucht“ oder „die Boni-Systeme zur persönlichen Bereicherung ausgebeutet“ werden.
Heißt das nun, wir sollten keine Entscheidungen mehr treffen, weil wir deren Nebenwirkungen nicht genau genug vorher sagen können? Natürlich nicht. Denn so wenig wir nicht nicht-kommunizieren können, so wenig können wir auch nicht nicht-entscheiden: Jede Nicht-Entscheidung schiebt diese „auf die lange Bank“ und ermöglicht in einer Art „Macht-Vacuum“, dass sich andere, vielleicht schlechtere Entscheidungsalternativen durchsetzen. Worum soll es also beim „gesellschaftlichen Werte-Management“ gehen?
(1) Das Bewusstsein dafür soll gestärkt werden, dass auch bei sog. „wertfreien“ Entscheidungen bestimmte Werte berührt, gefördert oder verletzt werden.
Ziel: Entwicklung eines disziplinenübergreifenden und interkulturell vermittelbaren und wenn möglich gültigen „Werte-Raumes“.
(2) Entscheidungen sollen in vollerem Bewusstsein möglicher Nebenwirkungen getroffen werden können.
Ziel: Entwicklung eines natur- und geisteswissenschaftlich verantwortbaren Entscheidungs-Raumes.
(3) Entscheidungen sollen verstärkt vor dem Hintergrund der bestehenden globalen Welt-Kulturgemeinschaft und der Realität, dass wir nur diese Welt mit ihren begrenzten Ressourcen zum Leben haben, getroffen werden können.
Ziel: Entwicklung von Kriterien und Werkzeugen für ökologisch, politisch und wirtschaftlich nachhaltige Entscheidungen.
(4) Es sollen Möglichkeiten und Wege diskutiert werden, wie in wirtschaftlichen und politischen Organisationen, deren Funktion und Kernkompetenz ja das Treffen von Entscheidungen in einer Gesellschaft ist, diese Entscheidungen verstärkt in einen hinreichend differenzierten ethisch und moralischen Werte-Rahmen gestellt werden können und sollen. Damit das Geld als globaler Tauschwert aus seiner zunehmend alles beherrschenden, „eindimensionalen“ Werte- und Orientierungs-Funktion für die Menschen wieder in seine sinnvolle Dienstleistungsfunktion zurück geführt werden kann, müssen andere, nicht käuflich erwerbbare soziale Wertesysteme zu attraktivem Leben erweckt werden, wie beispielsweise die „buddhistischen Tugenden“ von Mitgefühl-Liebe-Bescheidenheit-Glück.
Ziel: Entwicklung einer lebens-werten qualitativen Werte-Vision.
(5) Die politischen Parteien in demokratischen Gesellschaften bemühen sich, mit ihren Werteschwerpunkten das Werte- und Interessenspektrum möglichst vieler Wähler abzudecken. Inwieweit ihnen das gelingt, wird versucht mit Hilfe von Meinungsbefragungen zu erkunden. In einer neueren Befragung zur Frage „Welcher Wert ist Ihnen am wichtigsten?“ ergab sich folgendes Ranking: 1. Gerechtigkeit (35%), 2. Toleranz (25%), 3. Freiheit (18%), 4. Nächstenliebe (11%), 5. Disziplin (7 %) (chrismon 5/09). – Die Parteien sind bei ihren Aktivitäten abhängig von ihren Wählern und deshalb oft nicht bereit, notwendige unpopuläre Entscheidungen zu treffen, um ihre Wähler nicht zu enttäuschen. Aber ist es nicht die Pflicht von Regierenden, ihre Wähler zu „ent-täuschen“, also von Täuschungen und Illusionen zu befreien, besonders wenn diese Täuschungen gefährliche Folgen nach sich ziehen?!
Ziel: Entwicklung eines parteienübergreifenden Wertesystems, das allen Wählern vermittelbar ist, damit auch unpopuläre Entscheidungen breiten Wählergruppen angemessen vermittelbar werden.
(6) Ich möchte also einladen zu einer Diskussion mit Interessierten, weitere Felder gesellschaftlichen Wertemanagements zu benennen und mit Beispielen und Denkmodellen zu bereichern und kritisch zu beleuchten. Vielleicht gelingt es uns, hier im forum humanum zu dieser klassisch philosophischen Thematik einen für politische und wirtschaftliche Organisationen praktisch ver-wert-baren Beitrag zu leisten. Der Vorsitzende von „Denkwerk Zukunft“, Meinhard Miegel, hat dazu gerade in seinem Artikel „Die unerhörte Idee vom Ende des Wachstums“ (WaS, 10.05.09, S. 46), aufgefordert: „Auch unter Bedingungen wirtschaftlichen Stillstands und selbst Rückgangs müssen Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme, öffentliche Haushalte und freiheitliche Demokratie funktionieren. Wie dies möglich ist, muss jetzt erarbeitet werden“.
Ziel: Einladung zum Mit-Denken und –Machen.
Als Auftaktimpulse: Unser abendländischer Werte-Raum und interkulturell gültige Werte-Cluster („Signatur-Stärken“)
Neben meinem Artikel möchte ich zur weiteren Anregung noch zwei Modelle im Überblick anbieten, an denen ich mich bei Wertediskussionen gerne und mit Gewinn orientiere:
• Einmal das „soziale Raum-Zeit-Kontinuum“, das wir aus Riemanns Modell der „Grundformen der Angst“ (1978) abgeleitet haben und in dem sich die wesentlichen Grundbedürfnisse des Menschen spiegeln.
• Zum zweiten das von Martin Seligman im Rahmen der Positiven Psychologie vorgeschlagene Modell der interreligiös übereinstimmenden Werte-Bereiche, die im „VIA“ (Values in action)-Fragebogen konkretisiert werden („Der Glücksfaktor“ 2005). Diese Werte-Cluster lassen sich zwanglos in den obigen Werte-Raum projizieren, was für eine breite interkulturelle Gültigkeit obigen Werte-Raumes sprechen könnte.
Prof. Dr. Bernd Fittkau
Justus-Strandes-Weg 4
22337 Hamburg
Phone: 040-35 96 05 00
Fax : 040-35 96 05 01
Handy: 0172 7423530
Mail : bernd.fittkau@t-online.de
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„Gesellschaftlichen Werte-Management“
Prof. Dr. Bernd Fittkau
„Es gibt kein richtiges
Leben im falschen“
(Adorno)
„Krise als Chance“
Die aktuelle Finanzkrise erscheint als Spitze eines Eisberges, in dem sich unter der Oberfläche eine Reihe von weiteren gesellschaftlicher Krisen vereinigen: eine vielfaktorielle „ökologische Krise“, eine „Nord-Süd-/Arme-Reiche“-Krise, eine globale „Wachstumsabhängigkeits-Krise“ und eine „Werte-Krise“ – und alle diese Krisen hängen miteinander zusammen und verstärken sich gegenseitig. Ein brisantes Szenario, das die Politiker zunehmend unter Handlungsdruck bringt.
„Krisen sind Chancen zum Neubeginn“ – diese Einsicht, die im doppeldeutigen chinesischen Schriftzeichen für „Krise“ steckt, ist sicher mehr als ein optimistisch stimmendes Schlagwort, angesichts eines bedrohlichen Situation und Entwicklung. Es gibt auch im westlich geprägten Denken ähnliche erst zu nehmende Erkenntnisse dialektischer Natur, wie „Not macht erfinderisch“, „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Hölderlin), das Wort „not-wendig“ meint, dass die aktuelle „Not“ zum Besseren „ge-wendet“ werden sollte – und schließlich sind letztlich alle sozialen Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und Systeme als komplementäre Gegenbewegungen und Balancierungsversuche zu gefährlichen sozialen Notsituationen entstanden.
Und diese sozialen Gegenpole bedingen sich gegenseitig und halten sich wechselseitig am Leben.: Die „Not“ sorgt für „soziale Hilfe“ und die „sozialen Hilfsorganisationen“ leben von der „Not“, z.B. ohne „innere Feinde“ gibt es keine Notwendigkeit von „Polizei etc.“ und ohne „äußere Feinde“ keine Notwendigkeit von „Militär etc.“ und ohne Kriege keine Notwendigkeit einer Waffenindustrie etc. etc. Aus dieser Art des dialektischen Denkens ergeben sich sofort brisante Hypothesen.
Die Folgen solcher gesellschaftlichen Dialektik spüren die Gewerkschaften genauso wie die Kirchen: In dem Maße, wie die soziale Notwendigkeit abnimmt, sich als solidarische Interessenvertretung oder Glaubensgemeinschaft gegen die „ausbeuterischen“ und „unchristlichen“ Lebens- und Arbeitsverhältnisse des Frühkapitalismus zusammen zu schließen, nehmen die Mitgliederzahlen in beiden großen sozialen Organisationen ab. Wie in vielen zurückliegenden Wahlkämpfen wird im kommenden vermutlich wieder stark auf den hier angesprochenen Werteraum („wirtschaftlich effizienter Eigennutz“ vs. „sozialer Ausgleich und Gemeinschaftsgeist“) fokussiert. Dabei könnte die eigentliche zukunftbestimmende Werteproblematik aus dem Blick geraten: „Wachstum“ vs. „ökologisch notwendiger Verzicht“ – oder attraktiver formuliert „Quantitatives Wachstum“ vs. „Qualitatives Wachstum“.
Fassen wir zusammen: „Krisen“ scheinen nützliche soziale „Wachmacher“ zu sein mit Inspirationspotential für notwendige Veränderungen. Diese soziale Komplementär-Dynamik hat das „forum humanum“ beflügelt und hat auch diesen von mir vorgeschlagenen Themenschwerpunkt ins Leben gerufen: „Gesellschaftliches Werte-Management“.
Einladung zum Mit-Denken und -Machen
Meinen hier eingestellter Artikel habe ich kürzlich bei http://www.active-books.de / junfermann veröffentlicht, mit dem Fokus auf „Dilemmata-Management“. Weil jede (Werte-)Ent-„scheidung“ – aus meiner Sicht – partiell fehlerbehaftet ist, denn ich trenne mich dabei auch von etwas Wertvollem. Nachzuvollziehen ist diese Sichtweise bei Entscheidungen, wo „der Bock zum Gärtner gemacht“ wird oder „der Teufel mit dem Beelzebub“ ausgetrieben werden soll oder wo es zu „faulen Kompromissen“ kommt oder wo die „Sozialsysteme als soziale Hängematte missbraucht“ oder „die Boni-Systeme zur persönlichen Bereicherung ausgebeutet“ werden.
Heißt das nun, wir sollten keine Entscheidungen mehr treffen, weil wir deren Nebenwirkungen nicht genau genug vorher sagen können? Natürlich nicht. Denn so wenig wir nicht nicht-kommunizieren können, so wenig können wir auch nicht nicht-entscheiden: Jede Nicht-Entscheidung schiebt diese „auf die lange Bank“ und ermöglicht in einer Art „Macht-Vacuum“, dass sich andere, vielleicht schlechtere Entscheidungsalternativen durchsetzen. Worum soll es also beim „gesellschaftlichen Werte-Management“ gehen?
(1) Das Bewusstsein dafür soll gestärkt werden, dass auch bei sog. „wertfreien“ Entscheidungen bestimmte Werte berührt, gefördert oder verletzt werden.
Ziel: Entwicklung eines disziplinenübergreifenden und interkulturell vermittelbaren und wenn möglich gültigen „Werte-Raumes“.
(2) Entscheidungen sollen in vollerem Bewusstsein möglicher Nebenwirkungen getroffen werden können.
Ziel: Entwicklung eines natur- und geisteswissenschaftlich verantwortbaren Entscheidungs-Raumes.
(3) Entscheidungen sollen verstärkt vor dem Hintergrund der bestehenden globalen Welt-Kulturgemeinschaft und der Realität, dass wir nur diese Welt mit ihren begrenzten Ressourcen zum Leben haben, getroffen werden können.
Ziel: Entwicklung von Kriterien und Werkzeugen für ökologisch, politisch und wirtschaftlich nachhaltige Entscheidungen.
(4) Es sollen Möglichkeiten und Wege diskutiert werden, wie in wirtschaftlichen und politischen Organisationen, deren Funktion und Kernkompetenz ja das Treffen von Entscheidungen in einer Gesellschaft ist, diese Entscheidungen verstärkt in einen hinreichend differenzierten ethisch und moralischen Werte-Rahmen gestellt werden können und sollen. Damit das Geld als globaler Tauschwert aus seiner zunehmend alles beherrschenden, „eindimensionalen“ Werte- und Orientierungs-Funktion für die Menschen wieder in seine sinnvolle Dienstleistungsfunktion zurück geführt werden kann, müssen andere, nicht käuflich erwerbbare soziale Wertesysteme zu attraktivem Leben erweckt werden, wie beispielsweise die „buddhistischen Tugenden“ von Mitgefühl-Liebe-Bescheidenheit-Glück.
Ziel: Entwicklung einer lebens-werten qualitativen Werte-Vision.
(5) Die politischen Parteien in demokratischen Gesellschaften bemühen sich, mit ihren Werteschwerpunkten das Werte- und Interessenspektrum möglichst vieler Wähler abzudecken. Inwieweit ihnen das gelingt, wird versucht mit Hilfe von Meinungsbefragungen zu erkunden. In einer neueren Befragung zur Frage „Welcher Wert ist Ihnen am wichtigsten?“ ergab sich folgendes Ranking: 1. Gerechtigkeit (35%), 2. Toleranz (25%), 3. Freiheit (18%), 4. Nächstenliebe (11%), 5. Disziplin (7 %) (chrismon 5/09). – Die Parteien sind bei ihren Aktivitäten abhängig von ihren Wählern und deshalb oft nicht bereit, notwendige unpopuläre Entscheidungen zu treffen, um ihre Wähler nicht zu enttäuschen. Aber ist es nicht die Pflicht von Regierenden, ihre Wähler zu „ent-täuschen“, also von Täuschungen und Illusionen zu befreien, besonders wenn diese Täuschungen gefährliche Folgen nach sich ziehen?!
Ziel: Entwicklung eines parteienübergreifenden Wertesystems, das allen Wählern vermittelbar ist, damit auch unpopuläre Entscheidungen breiten Wählergruppen angemessen vermittelbar werden.
(6) Ich möchte also einladen zu einer Diskussion mit Interessierten, weitere Felder gesellschaftlichen Wertemanagements zu benennen und mit Beispielen und Denkmodellen zu bereichern und kritisch zu beleuchten. Vielleicht gelingt es uns, hier im forum humanum zu dieser klassisch philosophischen Thematik einen für politische und wirtschaftliche Organisationen praktisch ver-wert-baren Beitrag zu leisten. Der Vorsitzende von „Denkwerk Zukunft“, Meinhard Miegel, hat dazu gerade in seinem Artikel „Die unerhörte Idee vom Ende des Wachstums“ (WaS, 10.05.09, S. 46), aufgefordert: „Auch unter Bedingungen wirtschaftlichen Stillstands und selbst Rückgangs müssen Arbeitsmarkt, soziale Sicherungssysteme, öffentliche Haushalte und freiheitliche Demokratie funktionieren. Wie dies möglich ist, muss jetzt erarbeitet werden“.
Ziel: Einladung zum Mit-Denken und –Machen.
Als Auftaktimpulse: Unser abendländischer Werte-Raum und interkulturell gültige Werte-Cluster („Signatur-Stärken“)
Neben meinem Artikel möchte ich zur weiteren Anregung noch zwei Modelle im Überblick anbieten, an denen ich mich bei Wertediskussionen gerne und mit Gewinn orientiere:
• Einmal das „soziale Raum-Zeit-Kontinuum“, das wir aus Riemanns Modell der „Grundformen der Angst“ (1978) abgeleitet haben und in dem sich die wesentlichen Grundbedürfnisse des Menschen spiegeln.
• Zum zweiten das von Martin Seligman im Rahmen der Positiven Psychologie vorgeschlagene Modell der interreligiös übereinstimmenden Werte-Bereiche, die im „VIA“ (Values in action)-Fragebogen konkretisiert werden („Der Glücksfaktor“ 2005). Diese Werte-Cluster lassen sich zwanglos in den obigen Werte-Raum projizieren, was für eine breite interkulturelle Gültigkeit obigen Werte-Raumes sprechen könnte.
Prof. Dr. Bernd Fittkau
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